FDZ-Newsletter 44 (06/2023)

Die heutige Ausgabe beinhaltet folgende Themen:

Neue Datensätze am FDZ

LINK

Veranstaltungen

Rückblick auf die FDZ-Frühjahrsakademie und Ausblick auf die FDZ-Herbstakademie

Virtueller Workshop zum Projekt „Der Stamp in der Beratung“

Projekte des FDZ: Meta-Rep

Beratung: Forum4Mica

Studien im Blickpunkt

Neue Datensätze am FDZ

LINK

Wir freuen uns, ab sofort die Daten des Projekts „Literacy, Inklusion & Kommunikation“ (LINK) zur Nachnutzung bereitstellen zu können. Hier können Sie die Daten online beantragen.

Das Projekt LINK (Universität zu Köln) untersuchte, welche Effekte eine neuentwickelte Weiterbildungsmaßnahme für pädagogische Fachkräfte auf den frühen Schriftspracherwerb von Kindern in inklusiven Kitagruppen hat. Die so entstandenen Datensätze enthalten Informationen über insgesamt 100 Fachkräfte aus sechs inklusiven Kitas. Im Rahmen der Evaluation wurden 15 Interventionsgruppen (214 Kindern aus drei Kitas) mit sechs Kontrollgruppen (126 Kinder aus drei Kitas) in Bezug auf die inklusive Praxis und die Literacy-Angebote verglichen. Bei den Kindern wurden schriftsprachliche und prosoziale Fähigkeiten erhoben. Es wurden dabei folgende Instrumente genutzt: Die Kindergarten-Skala-Erweiterung mit der Subskala Sprache (KES-E) sowie der Bridge-Beobachtungsbogen dienten der Beobachtung der Literacy in den Gruppen.

Durch ein Inclusive Classroom Profile (ICP) wurde beobachtet, ob es eine Veränderung der inklusiven Praxis in den Gruppen gab. Schließlich diente ein Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen (BIKO) zur Beobachtung der Veränderung des prosozialen Verhaltens der Kinder.

Die Ergebnisse liefern den Nachweis der Wirksamkeit der Intervention in Bezug auf die Literacy-Angebote in den Gruppen und zeigen signifikante Veränderungen der Fähigkeiten der Kinder. Darüber hinaus konnte dokumentiert werden, bei welchen Indikatoren sich die inklusive Praxis in den Interventionsgruppen verändert hat (z. B. Adaptionen von Materialien und Gruppenaktivitäten, Unterstützung durch Erwachsene beim Freispiel, Unterstützung bei der Kommunikation) und in welchen Bereichen nicht (z. B. Konfliktlösung, Zugehörigkeit).

Veranstaltungen

Rückblick auf die FDZ-Frühjahrsakademie und Ausblick auf die FDZ-Herbstakademie

Die Frühjahrsakademie zu Methoden der empirischen Bildungsforschung fand vom 28. bis 31. März 2023 als Online-Veranstaltung statt. Es wurden sieben Workshops von Expert*innen aus dem Bereich der empirischen Bildungsforschung durchgeführt. In den Workshops lernten die Teilnehmer*innen unter anderem, wie Kausale Inferenz und Matchingverfahren in R durchgeführt werden oder erhielten eine Einführung in Machine Learning für die Bildungswissenschaften.

Insgesamt nahmen 142 Personen an den Workshops teil, wobei 87 Personen die Veranstaltung bewerteten. Die Workshops wurden hinsichtlich des wahrgenommenen Lerngewinns, der Vollständigkeit des Inhalts, des Zeitplans und der technischen Durchführung als überwiegend sehr gut bewertet. Das Online-Format der Veranstaltung wurde für seine Bequemlichkeit gelobt. Die meisten Teilnehmer*innen bekundeten ihr Interesse an der Teilnahme an künftigen Veranstaltungen des FDZ. Wir blicken sehr zufrieden auf die Frühjahrsakademie zurück und danken sowohl den Teilnehmer*innen für ihre rege Beteiligung als auch den Dozent*innen für die sehr interessanten Workshops.

Die Herbstakademie zu Methoden der empirischen Bildungsforschung findet erneut online vom 25. bis 28. September 2023 statt. Das Programm wird derzeit erstellt. Wir geben dieses gemeinsam mit dem Anmeldestart über unseren FDZ-Newsletter bekannt. Wir würden uns freuen, Sie wieder online begrüßen zu dürfen.

Virtueller Workshop zum Projekt „Der Stamp in der Beratung“

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass im September 2023 im Rahmen des Projekts "Der Stamp in der Beratung" zwei kostenfreie, virtuelle Workshops stattfinden werden.

Der Standardisierte Datenmanagementplan für die Bildungsforschung (Stamp) stellt ein einzigartiges Werkzeug für Forscher*innen in der Bildungsforschung dar, um ihr Forschungsdatenmanagement (FDM) zu planen, zu organisieren, umzusetzen und zu dokumentieren. Der Stamp bietet einen klaren Leitfaden, der Sie von der Projektplanung bis zur Verfügbarmachung der Daten zur Nachnutzung gemäß der FAIR-Data-Principles begleitet.

Die Workshops werden an folgenden Terminen für zwei verschiedene Zielgruppen angeboten:

  • Workshop am 5. September 2023 für FDM-Berater*innen an Universitäten
  • Workshop am 20. September 2023 für FDM-Berater*innen an Forschungsdatenzentren

Der Workshop ermöglicht Ihnen, den Stamp zu evaluieren und gemeinsam mit uns darüber zu diskutieren, wie er in der Beratung eingesetzt werden kann und welche Anpassungen notwendig sind, um ihn noch besser an Ihre Bedürfnisse anzupassen.

Für weitere Informationen und zur Anmeldung wenden Sie sich bitte direkt an Julia Künstler-Sment. Sie erreichen sie per E-Mail unter julia.kuenstler-sment@iqb.hu-berlin.de oder telefonisch unter 030 / 2093-46599.

Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmer*innenzahl begrenzt ist. Melden Sie sich daher so bald wie möglich an, um sich Ihren Platz zu sichern. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und Ihre wertvollen Beiträge!

Projekte des FDZ: Meta-Rep

Vom 20. bis 24. März nahmen wir am Projekttreffen des interdisziplinären DFG-Schwerpunktprogramms META-REP in Neumarkt teil. Ziel des Projektes ist es, aus einer Meta-Perspektive zu erforschen, was Replizierbarkeit und Reproduzierbarkeit bedeutet und welche Faktoren mit einer erfolgreichen Replikation und Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen zusammenhängen. Während des Treffens tauschten wir uns zum Fortschritt in den einzelnen Projekten aus und diskutierten aktuelle Themen wie zum Beispiel die Vorteile und Herausforderungen bei der Durchführung von Multiversums-Analysen.

Wir haben aktuell eine Umfrage unter unseren Datennutzer*innen gestartet, um einen Einblick zu bekommen, welche Rolle Replizierbarkeit, Reproduzierbarkeit und verwandte Themen bei der Sekundärdatenanalyse von Schulleistungsstudien spielen. Wir setzen auf die aktive Mitarbeit der Community und bitten Sie herzlich, sich an unserer Umfrage zu beteiligen, wenn Sie als Datennutzer*in des FDZ am IQB eingeladen worden sind. Dadurch können Sie einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Replizierbarkeit und Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen in der empirischen Bildungsforschung besser zu verstehen und zu erhöhen.

Beratung: Forum4Mica

Das FDZ am IQB ist nun auch am Forum4MICA des LIfBi beteiligt. Dies ist eine Plattform für den öffentlichen Austausch zu Themen rund um das Angebot und die Nutzung von Forschungsdaten der Sozial-, Bildungs-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften und dient dem Dialog zwischen Forscher*innen sowie Forschungsdatenzentren. Es steht allen Personen zur Verfügung, die auf der Suche nach themenbezogenen Informationen sind oder sich aktiv am Dialog zum Datenangebot verschiedener Forschungsdatenzentren beteiligen möchten. Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Online-Diskussionsplattform zu beteiligen und mit anderen Datennutzer*innen zu diskutieren sowie Ihre Fragen zu unseren Services und Datenangeboten zu stellen.

Und hier finden Sie unser FDZ im Forum4MICA.

Studien im Blickpunkt

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen regelmäßig empirische Arbeiten vor, die aus Datennutzungsanträgen, die ans FDZ am IQB gestellt wurden, entstanden sind. Dabei wählen wir Publikationen aus, die das Potenzial von Sekundäranalysen verdeutlichen. In dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen eine 2021 in der Zeitschrift Psychologie in Erziehung und Unterricht veröffentlichten Studie, die am IQB und mit IQB-Daten entstanden ist. Darin beschäftigten sich Christin Rüdiger, Malte Jansen und Camilla Rjosk mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Deutschnoten von Jugendlichen der 9. Jahrgangsstufe – oder im Sinne des Titels damit, warum „Paul [...] nicht so gut in Deutsch“ ist.

Dass Jungen im Vergleich zu ihren Mitschülerinnen im Fach Deutsch und anderen sprachlichen Fächern teils deutlich im Rückstand sind, kann man durchaus als Binsenweisheit bezeichnen. Jungen zeigen geringere Kompetenzen im Fach Deutsch und bekommen konsequenterweise schlechtere Noten als ihre weiblichen Peers. Eine wichtige Frage ist dabei: Sind die Notenunterschiede auf das Maß der Kompetenzunterschiede begrenzt oder tragen weitere Faktoren dazu bei? Aus theoretischer Sicht bietet sich dafür eine große Bandbreite möglicherweise relevanter Einflüsse, insbesondere die Lern- und Arbeitsmotivation sowie das Verhalten der Kinder und Jugendlichen oder auch Einstellungen und Merkmale der Lehrkräfte.

Die hier vorgestellte Studie nutzte mit dem IQB-Bildungstrend 2015 Daten aus einer großen repräsentativen Studie, die die Kompetenzen der Jugendlichen im Fach Deutsch differenziert getestet hat und die die Berücksichtigung vieler der gerade angesprochenen Einflussfaktoren ermöglicht.

Die Ergebnisse der Mehrebenenanalysen (teils mit Crosslevel-Interaktionen) bestätigten zunächst einmal die bekannten Beobachtungen: Jungen zeigten im Fach Deutsch niedrigere Kompetenzen und wurden auch unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten schlechter benotet als Mädchen. Zudem bestätigte sich die Relevanz motivationaler Merkmale für die Schulnoten. Zudem gab es Hinweise auf stereotype Lehrkraftvorstellungen hinsichtlich der Lesebereitschaft ihrer Schüler*innen. Doch auch unter Kontrolle dieser Variablen blieb ein Geschlechtseffekt erhalten, sodass noch immer Forschungspotenzial zu diesem Thema vorhanden ist. Einige Anregungen zu den Möglichkeiten künftiger Untersuchungen geben natürlich die Forscher*innen  selbst, ebenso wie weitere, hier nicht erwähnte Ergebnisse.

All das finden Sie im Volltext (open access) des Artikels unter:

Rüdiger, C., Jansen, M. & Rjosk, C. (2021). „Paul ist nicht so gut in Deutsch“. Geschlechtsdifferenzielle Benotung im Fach Deutsch – eine Sekundäranalyse der Daten des IQB-Bildungstrends 2015. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 68. DOI: 10.2378/peu2021.art08d

 

LP
Kontakt

Lisa Pegelow
Verbund Forschungsdaten Bildung (VerbundFDB)
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