FDZ-Newsletter 40/2022

Neue Datensätze am FDZ

BRISE

Wir freuen uns, Ihnen die Daten des Projekts „Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung“ (BRISE) vorstellen zu dürfen, die nun beim FDZ am IQB beantragt werden können.

Die erste Welle der Längsschnittstudie BRISE wurde im Zeitraum 2017-2020 mit einer Stichprobe von 150 Kindern und deren Familien in Bremen, die aufgrund sozioökonomischer oder kultureller Merkmale als bildungsbenachteiligt gelten, durchgeführt. Das Besondere dabei ist, dass das vollständige Forschungsprogramm die systematische Begleitung der Familien von der Schwangerschaft bis nach der Einschulung der Kinder vorsieht. Ein Teil dieser Familien soll im Sinne eines präventiven Ansatzes während dieses Lebensabschnitts durchgängig an bewährten regional bereits großflächig vorhandenen alltagsintegrierten Programmen teilnehmen, so dass sie eine lückenlose Unterstützung erhalten. Der andere Teil dieser Familien nimmt der bisherigen Regelpraxis entsprechend ungesteuert nach eigenem Ermessen an Angeboten teil. Der Forschungsverbund untersucht am Beispiel der Stadtgemeinde Bremen mit unterschiedlichen Verfahren und hinsichtlich unterschiedlicher Dimensionen der Entwicklung in der frühen Kindheit die Wirksamkeit einer durchgängigen Förderkette systematisch verknüpfter Programme für die Förderung der kindlichen Entwicklung. Dabei kamen zu verschiedenen Messzeitpunkten sowohl Fragebögen für die Mütter und als auch Beobachtungen der frühkindlichen Entwicklung der Kinder nach dem Dokumentationsprogramm MONDEY (Milestones of Normal Development in Early Years) zum Einsatz. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Bereichen der kindlichen Entwicklung, die zentral für einen erfolgreichen Übergang in das formale Schulsystem sind.

LAU

Wir freuen uns ebenso, Ihnen die Daten der Untersuchung „Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung (LAU)“ vorstellen zu dürfen, die nun am FDZ am IQB beantragt werden können.

LAU ist eine Längsschnittstudie, die nahezu alle Hamburger Schüler*innen der fünften Klassen im Jahr 1996 bis zum Schulabschluss im Jahr 2005, jeweils im Abstand von zwei Schuljahren, erfasst hat. Getestet wurden die Lernausgangslage sowie die Lernentwicklung innerhalb der Schullaufbahn.

Die jeweiligen Teile der Studie konzentrierten sich jeweils auf spezifische Aspekte: LAU5 auf den Übergang zwischen Grundschule und Sekundarstufe I, LAU7 auf die Leistungsunterschiede zwischen der verschiedenen Schulformen, LAU9 und LAU11 auf die Beschreibung und Analyse der weiteren Lernentwicklung und schlussendlich LAU13 auf die gesamte gymnasiale Laufbahn und darüber hinaus.

Es besteht die Möglichkeit einer Verknüpfung der LAU-Daten mit den amtlichen Schulnummern.

Veranstaltungen

FDZ-Herbstakademie 2022

Die Anmeldung zu unserer nächsten digitalen FDZ-Methodenakademie ist noch bis zum 04.09.2022 geöffnet. In den folgenden Workshops gibt es noch einige wenige freie Plätze:

  • Datenvisualisierung in R mit ggplot 2 (Dr. Takuya Yanagida, Universität Wien)
  • Einführung in die IRT mit R (Dr. Beate Eichmann, DIPF Frankfurt a. M.)
  • Reproducible Research in R (Dr. Dries Debeer, Ghent University, Belgium / Benjamin Becker M.Sc., IQB Berlin)
  • Integrative Datenanalyse von Large-Scale Assessments (Dr. Lena Keller, Universität Potsdam)
  • Querschnittliche Latent Class Modelle in Mplus (Dr. Takuya Yanagida, Universität Wien)

Für freuen uns auf Ihre Anmeldungen!

Stellenausschreibung

Wir suchen für den Bereich Datenmanagement und Bibliothek ab sofort eine*n studentische*n Mitarbeiter*in. Bei Interesse findet sich hier der Ausschreibungstext. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Studien im Blickpunkt

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen regelmäßig empirische Arbeiten vor, die aus Datennutzungsanträgen, die ans FDZ am IQB gestellt wurden, entstanden sind. Dabei wählen wir Publikationen aus, die das Potenzial von Sekundäranalysen verdeutlichen.

Der Name Raymond Boudon und sein Modell primärer und sekundärer Herkunftseffekte sind schier allgegenwärtig in der Bildungssoziologie, sobald es um die Erklärung sozial ungleicher Bildungsergebnisse und -erträge geht. Könnte es aber sein, dass dieses Konzept womöglich nicht vollständig ist? Die Studie, die wir diesmal in den Blickpunkt stellen möchten, diskutiert genau dieses Thema; eine Erweiterung des gängigen Modells um einen tertiären Herkunftseffekt sozial ungleicher Notengebung sowie die Rolle psychologischer Eigenschaften. Es handelt sich hierbei um einen Artikel von Marcel Helbig und Tatjana Morar, der 2018 im International Journal of Learning, Teaching and Educational Research veröffentlicht wurde.

Dass Noten nicht unbedingt objektive Indikatoren schulischer Leistungen und kognitiver Leistungsfähigkeit einer Person sind, dürfte kaum jemanden überraschen. Notenunterschiede nach sozialen Hintergrundmerkmalen sind auch bei gleichen Kompetenzen zu beobachten und in die Notengebung fließen erwiesenermaßen auch Persönlichkeitsmerkmale wie etwa die Anstrengungsbereitschaft ein. Einige hierbei tätige Mechanismen sind jedoch bislang nicht ausreichend verstanden. Helbig und Morar stellen hier die Frage, wie diese drei Faktoren zusammenpassen. Wirken psychologische Eigenschaften im Sinne des primären Herkunftseffekts, indem sie einerseits von der sozioökonomischen Herkunft abhängen und andererseits Noten beeinflussen? Oder tritt ein von solchen Merkmalen unabhängiger Effekt auf, der soziale ungleiche Noten nach sich zieht und als tertiärer Effekt zu bezeichnen wäre?

Zur Beantwortung dieser Fragen für Schüler*innen am Ende ihrer Grundschulzeit führten die beiden Autor*innen lineare Mehrebenenregressionen auf der Grundlage mehrerer bei uns am FDZ verfügbarer Studien durch. Neben den Daten aus BiKS 8-14 nutzten sie auch jene aus TIMSS 2011, dem IQB-Ländervergleich 2011 sowie der Berliner ELEMENT-Studie. Sie stellten dabei fest, dass die lern- und leistungsbezogenen personalen Merkmale der Schüler*innen, wie sie von den Kindern selbst und ihren Eltern eingeschätzt wurden, zwar einen Einfluss auf die Noten hatten, sie jedoch wenig dazu beitragen konnten, Notenverzerrungen nach der sozioökonomischen Herkunft zu erklären. Im Gegensatz dazu zeigten die Analysen, dass die Einschätzungen derselben Merkmale durch die Lehrkräfte sowohl einen deutlichen Einfluss auf die Schulnoten hatten als auch sich je nach Sozial- und Bildungsstatus der Familie merklich unterschied. Die Lehrkräfte tendierten also dazu, von Schüler*innen höher gebildeter Eltern positivere Persönlichkeitseigenschaften zu erwarten und diese Erwartung in besseren Noten zu reflektieren. Zusätzlich dazu beobachteten Helbig und Morar auch eine signifikante Interaktion zwischen dem Bundesland und der Einschätzung der elterlichen Unterstützungskapazitäten durch die Lehrkraft. Für eine ausführliche Diskussion dieses Effekts und der übrigen Hintergründe, Ergebnisse und Implikationen finden Sie wie üblich unter der nachstehenden DOI den Volltext des Artikels.

Helbig, M. & Morar, T. (2018). Why Teachers Assign Socially Unequal Marks. A Case for Establishing Tertiary Origin Effects in the Model of Primary and Secondary Effects of Educational Research. International Journal of Learning, Teaching and Educational Research, 17(7), 1–25. https://doi.org/10.26803/ijlter.17.7.1

LP
Kontakt

Lisa Pegelow
Verbund Forschungsdaten Bildung (VerbundFDB)
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