Unterrichten in der Sekundarstufe I

Die Einführung der Bildungsstandards zielt auch auf eine Veränderung der Orientierung bei der Gestaltung von Unterricht und Lernprozessen ab. Die Bildungsstandards legen Kompetenzerwartungen fest, die bis zu bestimmten Zeitpunkten in der Bildungsbiographie erreicht werden sollen. Dies erfordert von Lehrkräften, dass sie sich im Unterricht nicht mehr nur an den durch Lehrpläne vorgegebenen Inhalten orientieren, sondern auch an den zu entwickelnden Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler.

Im kompetenzorientierten Unterricht richten sich Lehrkräfte nach den individuellen Voraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler und gestalten Lernprozesse so, dass sich die Kompetenzen aller gezielt weiterentwickeln können. Dafür ist es erforderlich, dass Lehrkräfte in ihrem Unterricht kognitiv anregende, an verschiedene Ausgangsniveaus angepasste Lerngelegenheiten bereitstellen und regelmäßig überprüfen, welche Kompetenzen bereits erworben werden konnten. Die fortlaufende Gewinnung diagnostischer Informationen bildet eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die Lehr-Lernziele des Unterrichts an die bereits erworbenen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst werden können.

Die Entwicklung von Kompetenzen erfolgt im Unterricht häufig durch die Bearbeitung von Aufgaben. Die Weiterentwicklung der Aufgabenkultur bildet daher einen zentralen Bestandteil von Fortbildungsprogrammen (z.B. SINUS), die in Deutschland als Reaktion auf die Ergebnisse von TIMSS und PISA umgesetzt wurden. Im Fokus dieser Programme stehen nicht Testaufgaben, die zur Überprüfung der erreichten Kompetenzstände dienen, sondern Lernaufgaben, die auf eine Erarbeitung des angestrebten Wissens und Könnens abzielen. Anspruchsvolle Lernaufgaben stoßen aktive Lernprozesse an und steuern diese durch eine Folge von gestuften Aufgabenstellungen. Komplexere Lernaufgaben streben überdies an, die Steuerung der Aufgabenbearbeitung auf die Lernenden zu übertragen. Anregungen für die Entwicklung kompetenzorientierter Aufgaben liefern unter anderem die nachfolgend aufgeführten Veröffentlichungen des IQB:

In dem länderübergreifenden Projekt „for.mat“ sind darüber hinaus Fortbildungskonzepte und Materialien zur kompetenzorientierten Unterrichtsentwicklung im Rahmen von Fachkonferenzen erarbeitet worden. Zu diesen Materialien gehören unter anderem Anregungen zur Gestaltung von Lernaufgaben, Hinweise zur Leistungsdiagnostik und individuellen Förderung und Übungen zur Einordnung der Bildungsstandards in Kompetenzbereiche. Alle Dokumente sind sowohl auf der Webseite abrufbar als auch als Ringordner bestellbar. Im Rahmen von for.mat wurde weiterhin eine modularisierte Fortbildungsreihe zur Ausbildung von Beraterinnen und Beratern für Unterrichtsentwicklung konzipiert, die bislang in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hamburg umgesetzt wurde.

PHe