Über das IQB

Gründung

Als Reaktion auf zunächst unbefriedigende Ergebnisse Deutschlands in internationalen Schulleistungsstudien hat die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Reihe von Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im Bildungswesen eingeführt. Im Zuge dessen gründete sie 2004 das IQB als wissenschaftliche Einrichtung der Länder in der Bundesrepublik Deutschland an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das IQB hat im Dezember 2004 unter der Leitung von Prof. Dr. Olaf Köller seine Arbeit aufgenommen. Am 1.6.2010 haben Prof. Dr. Hans Anand Pant und Prof. Dr. Petra Stanat die wissenschaftliche Leitung des IQB übernommen; seit dem 1.6.2015 ist Prof. Dr. Petra Stanat die alleinige Leiterin des wissenschaftlichen Bereichs.

Ein Kernelement der Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung sind Bildungsstandards, die vorgeben, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler bis zu bestimmten Zeitpunkten in ihrer schulischen Laufbahn in der Regel erworben haben sollen („Regelstandards“). In den Jahren 2003 und 2004 wurden die Bildungsstandards für die Fächer Deutsch, Mathematik, Erste Fremdsprache (Englisch, Französisch) und die naturwissenschaftlichen Fächer im Bereich der Sekundarstufe I eingeführt. Die Bildungsstandards bilden eine wichtige Grundlage der Qualitätsentwicklung und des Bildungsmonitorings, die länderübergreifend verbindlich ist.

Organisation

Beim IQB handelt es sich um einen eingetragenen Verein, der laut Satzung den Namen „Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen – Wissenschaftliche Einrichtung der Länder an der Humboldt-Universität zu Berlin e.V.“ trägt und als An-Institut an der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt ist. Die Mitglieder des Vereins sind die 16 Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer Umstrukturierung des Instituts, die formal zum 1.1.2014 vollzogen wurde, besteht der Vorstand des IQB aus den jeweils amtierenden wissenschaftlichen Leitern und einem kaufmännischen Vorstand. Dies sind aktuell Prof. Dr. Petra Stanat (wissenschaftlicher Vorstand) und Dr. Anne Jostkleigrewe-Paulus (kaufmännischer Vorstand). Das Kuratorium des Vereins bilden Ministerialdirektor Herbert Püls, Staatsrat Dr. Michael Voges, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz Udo Michallik, Prof. Dr. Ewald Terhart, Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth und Prof. Dr. Detlev Leutner.

Aufgaben

Das IQB hat den Auftrag, die länderübergreifenden Bildungsstandards durch geeignete Testaufgaben zu operationalisieren, diese zu normieren und sie regelmäßig im Rahmen von IQB-Bildungstrends (ehemals Ländervergleichsstudien) einzusetzen, um das Erreichen der Bildungsstandards zu überprüfen. Ferner ist das IQB mit der Entwicklung von Kompetenzstufenmodellen und der Weiterentwicklung der länderübergreifenden Bildungsstandards betraut. Zur Unterstützung der Länder bei der Implementation der Bildungsstandards entwickelt das Institut unter anderem Aufgaben für Vergleichsarbeiten (je nach Bundesland auch VERA bzw. Lernstandserhebungen genannt), die jedes Jahr nahezu flächendeckend in den Jahrgangsstufen 3 und 8 in deutschen Schulen durchgeführt werden. Seit Beginn des Schuljahres 2013/2014 koordiniert das IQB zudem die Entwicklung eines Pools von Abiturprüfungsaufgaben, die auf den Bildungsstandards der KMK für die Allgemeine Hochschulreife basieren.

Am IQB arbeiten Lehrkräfte mit schulpraktischer und administrativer Erfahrung sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Fachdidaktik, Psychologie, Bildungs- und Erziehungswissenschaften sowie Soziologie zusammen.

Mit seiner Arbeit soll das IQB

  • zur Verbesserung der schulischen Bildung in Deutschland beitragen,
  • den Anschluss an das internationale Leistungsniveau befördern,
  • die Bemühungen der Länder um eine höhere Qualität in Unterricht und Schule unterstützen,
  • den länderübergreifenden Austausch über Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung fördern und
  • zur Sicherung von Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit im deutschen Bildungswesen beitragen.

Tätigkeitsfelder

Die Erfüllung der Aufgaben, die mit dem Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) an das IQB verbunden sind, umfasst die folgenden Aktivitäten:

  • Entwicklung großer Sammlungen von Testaufgaben, die zur Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards im IQB-Bildungstrend geeignet sind
  • Entwicklung von fachdidaktisch und empirisch fundierten Kompetenzstufenmodellen, die für die einzelnen Fächer und Schulstufen konkret beschreiben, welche Anforderungen Schülerinnen und Schüler bewältigen können
    • Regelmäßige Durchführung von IQB-Bildungstrends im Primarbereich (4. Jahrgangsstufe) und in der Sekundarstufe I (9. Jahrgangsstufe), um das Erreichen der Bildungsstandards zu überprüfen
  • Entwicklung von Tests und didaktischem Material für Vergleichsarbeiten (VERA/Lernstandserhebungen genannt), die von den Ländern jedes Jahr in der 3. und 8. Jahrgangsstufe durchgeführt werden
  • Publikation von Lernaufgaben, die illustrieren, wie die in den Bildungsstandards beschriebenen Kompetenzen im Unterricht entwickelt werden können
  • Kooperation mit den Ländern bei Veranstaltungen, die auf die Implementation der Bildungsstandards abzielen
  • Koordination der Entwicklung eines Pools von Abiturprüfungsaufgaben

Forschung

Als wissenschaftliche Einrichtung führt das IQB zahlreiche Vorhaben im Bereich der empirischen Bildungsforschung durch. Diese umfassen Forschung (1) zur Optimierung von
Test- und Analyseverfahren des IQB, (2) zur Nutzung von Ergebnissen empirischer Daten für die standardbasierte Unterrichts- und Schulentwicklung sowie (3) zu inhaltlichen Themenbereichen, die für die Qualitätsentwicklung im Bildungswesen der Länder von besonderem Interesse sind.

Im Fokus stehen unter anderem folgende Forschungsfragen:

  • Welche Strukturen weisen schulbezogene Kompetenzen auf und wie lassen sich diese zuverlässig erfassen?
  • Wie lassen sich die vielfältigen methodischen Anforderungen von Schulleistungsmessungen und Schulleistungsvergleichen optimal bewältigen?
  • Inwieweit und unter welchen Bedingungen gelingt die Umsetzung der Bildungsstandards in der Praxis?
  • Wie gehen Schulen mit der Heterogenität ihrer Schülerschaft um und welche Bedingungen sind förderlich für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Lernbedürfnissen?
  • Wie können Sprach- und Lesekompetenzen erfasst und gezielt gefördert werden, die für erfolgreiches schulisches Lernen notwendig sind?
PHe