Gemeinsame Abituraufgabenpools der Länder

Die Kultusministerkonferenz hat im Jahr 2012 beschlossen, für die Fächer Deutsch und Mathematik sowie die fortgeführten Fremdsprachen Englisch und Französisch auf der Basis der Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife ländergemeinsame Abituraufgabenpools zu entwickeln. Dies soll insbesondere dazu beitragen, die mit den Abiturprüfungen der Länder verbundenen Anforderungen anzugleichen und die hohe Qualität dieser Prüfungen zu sichern. Mit der Koordination der Entwicklung der Pools wurde als wissenschaftliche Einrichtung der Länder das IQB beauftragt. Die Aufgabenpools für die genannten Fächer standen den Ländern für das Prüfungsjahr 2017 erstmalig zur Verfügung.


Erarbeitung der Aufgaben der Pools

Zuständig für die Entwicklung der Aufgaben ist für jedes Fach eine Arbeitsgruppe, in die jedes Bundesland ein Mitglied entsendet. Die Mitglieder der Arbeitsgruppen sind Lehrkräfte für das jeweilige Fach, die über umfangreiche Erfahrung und Kompetenz in der Konzeption von Abituraufgaben verfügen. Auch die Perspektive der beruflichen Gymnasien ist in jeder Arbeitsgruppe durch mindestens eine Lehrkraft vertreten. Die Arbeitsgruppen werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der jeweiligen Fachdidaktik bzw. des jeweiligen Fachs beraten. Damit wird gewährleistet, dass die Perspektiven aller Länder sowie aktuelle Erkenntnisse der jeweiligen Fachdidaktik und Fachwissenschaft in den Arbeitsprozess einfließen.

Damit für jedes Prüfungsjahr Aufgaben in ausreichender Anzahl und Qualität für die Pools entwickelt werden können, stellt jedes Land Aufgabenvorschläge zur Verfügung. Auf der Grundlage dieser Vorschläge entwickeln die ländergemeinsamen Arbeitsgruppen die Aufgaben der Pools unter Berücksichtigung von Vereinbarungen, die zu Beginn der Entwicklung der Pools getroffen wurden (vgl. "Begleitende Dokumente").


Gemeinsame Prüfungstermine

Vor dem Prüfungsjahr 2017 fanden die Abiturprüfungen der Länder für jedes Fach zu unterschiedlichen Terminen statt. Um Abituraufgaben gemeinsam einsetzen zu können, war es erforderlich, diese Termine zu harmonisieren. Bereits in den Anfangsjahren konnten — mit vereinzelten Ausnahmen insbesondere aufgrund bestehender Ferienregelungen — die Abiturprüfungen für die Fächer Deutsch und Mathematik jeweils an einem gemeinsamen Termin, für die Fächer Englisch und Französisch jeweils an zwei gemeinsamen Terminen durchgeführt werden. Finden in einem Fach die Abiturprüfungen der Länder zu zwei verschiedenen Terminen statt, werden die Aufgaben des zugehörigen Pools auf die beiden Prüfungstermine verteilt. Ab dem Prüfungsjahr 2022 finden die Abiturprüfungen der Länder in jedem der vier beteiligten Fächer weitgehend zum selben Termin statt. Durch die gemeinsamen Prüfungstermine können die Pools effizient genutzt werden.


Nutzung der Poolaufgaben

Jedes Land kann für seine eigene Abiturprüfung im jeweiligen Fach alle dem jeweiligen Prüfungstermin zugeordneten Aufgaben des Pools nutzen. Dabei entscheidet jeweils eine landeseigene Kommission darüber, welche Aufgaben des Pools für die Abiturprüfung verwendet und in welchem Umfang diese durch landeseigene Aufgaben ergänzt werden sollen. Die Verantwortung für die Abiturprüfungen eines Landes liegt also beim Land selbst.

In den ersten Jahren müssen die Länder aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen ihrer Abiturprüfungen (z. B. Regelungen zur Struktur der Aufgaben und zur Bewertung von Prüfungsarbeiten) die Möglichkeit haben, Poolaufgaben an landesspezifische Regelungen anzupassen. Diese Rahmenbedingungen werden zunehmend angeglichen, um die Notwendigkeit von Anpassungen zu reduzieren. Ab dem Prüfungsjahr 2021 sollen die Aufgaben der Pools unverändert verwendet werden; Ausnahmen bilden dann nur noch unbedingt notwendige Anpassungen der Poolaufgaben an landesspezifische Regelungen, deren Änderung noch nicht bis 2021 möglich ist. Beispielsweise werden für die Abiturprüfung relevante digitale Hilfsmittel im Fach Mathematik teilweise bereits in den ersten Jahren der Sekundarstufe I eingeführt, die Verwendung eines neuen Hilfsmittels in der Abiturprüfung erfordert also eine entsprechende Übergangszeit.


Veröffentlichung

Für jedes Prüfungsjahr werden nach Abschluss der Abiturprüfungen die von den Ländern entnommenen Aufgaben der Pools — einschließlich der für die Lehrkräfte vorgesehenen Materialien (insbesondere Erwartungshorizonte und Bewertungshinweise) — auf den Internetseiten des IQB veröffentlicht. Voraussetzung dafür sind ggf. Nutzungsrechte für urheberrechtlich geschützte Materialien, die den Aufgaben zugrunde liegen.


Evaluation

Der Einsatz der Poolaufgaben wird vom IQB kontinuierlich evaluiert. Dies soll der Weiterentwicklung der Poolaufgaben und des Unterrichts dienen sowie den Annäherungsprozess zwischen den Ländern unterstützen. Ergebnisse der Evaluation werden regelmäßig veröffentlicht (vgl. "Evaluation").

VLo