Weiterentwicklung der Bildungsstandards für den Primarbereich und die Sekundarstufe I (WeBis)

Projektbeschreibung

Mit Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 18. Juni 2020 werden die Bildungsstandards für den Primarbereich und die Sekundarstufe I weiterentwickelt. Dieser Prozess wird vom IQB koordiniert. Die Entscheidung erfolgte auf Grundlage einer durch das IQB durchgeführten Bedarfsanalyse im Jahr 2020, bei der sich ein mittelgroßer bis hoher Überarbeitungsbedarf gezeigt hatte. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die bestehenden Bildungsstandards für den Primarbereich und die Sekundarstufe I bereits aus dem Jahr 2003/2004 stammen; bei der Weiterentwicklung sind dementsprechend aktuelle Anforderungen an Leistungserwartungen und inzwischen veränderte Kontexte des schulischen Kompetenzerwerbs zu berücksichtigen. Auch die Anforderungen des Lernens mit digitalen Medien, die auch in der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ verankert sind, müssen aufgegriffen werden.

Ziele

Ziel des Projekts ist es, bis Mitte 2024 die Bildungsstandards in den Fächern Deutsch und Mathematik (Primarbereich und Sekundarstufe I) sowie in der 1. Fremdsprache (Englisch/Französisch) und in den Fächern Biologie, Chemie und Physik (Sekundarstufe I) auf Grundlage der Ergebnisse der Bedarfsanalyse weiterzuentwickeln und dabei systematischer als bisher die Anschlussfähigkeit zwischen den Bildungsstandards für den Primarbereich, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II herzustellen.

Vorgehensweise

In die Weiterentwicklung der Bildungsstandards sind Fachkommissionen eingebunden, die sich aus Wissenschaftler*innen der verschiedenen Fachdidaktiken, Fachexpert*innen, Aufgabenentwickler*innen (i.d.R. Lehrkräfte) sowie Vertreter*innen aus allen Bundesländern zusammensetzen. Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker, die bereits in die Bedarfsanalyse (Vorläuferprojekt) eingebunden waren, leiten die Fachkommissionen. Das fachdidaktische Team besteht aus folgenden Mitgliedern:

  • Deutsch Primarbereich: Prof. Dr. Michael Krelle (Leitung), Prof. Dr. Michael Beißwenger
  • Deutsch Sekundarstufe I: Prof. Dr. Jörg Jost (Leitung), Prof. Dr. Irene Pieper
  • Mathematik Primarbereich: Prof. Dr. Hedwig Gasteiger (Leitung), Prof. Dr. Marcus Nührenbörger
  • Mathematik Sekundarstufe I: Prof. Dr. Gilbert Greefrath (Leitung), Prof. Dr. Bärbel Barzel
  • Englisch Sekundarstufe I: Prof. Dr. Henning Rossa (Leitung), Prof. Dr. Eva Wilden
  • Französisch Sekundarstufe I: Prof. Dr. Hélène Martinez (Leitung), Prof. Dr. Lars Schmelter
  • Biologie Sekundarstufe I: NN
  • Chemie Sekundarstufe I: NN
  • Physik Sekundarstufe I: NN

Die Überarbeitung der Bildungsstandards erfolgt sukzessive in drei aufeinanderfolgende Phasen. In der ersten Phase werden die Bildungsstandards in den Fächern Deutsch und Mathematik für den Primarbereich und die Sekundarstufe I überarbeitet. In der zweiten Phase folgen die Bildungsstandards für die 1. Fremdsprache (Englisch, Französisch) und schließlich in der dritten Phase die Bildungsstandards für die Naturwissenschaften. Für die Weiterentwicklung der Bildungsstandards in der Sekundarstufe I ist zu berücksichtigen, dass die Standards für den Hauptschulabschluss (HSA) und den Mittleren Schulabschluss (MSA) klar voneinander abgegrenzt, aber eng aufeinander bezogen sind.

Auf Basis der Ergebnisse der Bedarfsanalyse und unter Berücksichtigung der aktuellen fachdidaktischen Entwicklungen erarbeiten die fachdidaktischen Leitungen die ersten Entwürfe der weiterentwickelten Bildungsstandards. Diese Entwürfe werden von den Fachkommissionen geprüft, beraten und abgestimmt.

Parallel zu diesem Prozess erarbeiten Aufgabenentwicklungsgruppen Lernaufgaben anhand derer illustriert wird, wie Anforderungen der Bildungsstandards im Unterricht vermittelt werden können. Da bei der Weiterentwicklung der Bildungsstandards auch Anforderungen aufgegriffen werden, die sich aus der KMK-Strategie „Bildung in der Digitalen Welt“ ergeben, werden in Ergänzung zu den bisherigen klassischen Aufgaben voraussichtlich auch sogenannte innovative Aufgabenformate entwickelt, die einen höheren Interaktionsgrad der Lernenden erfordern und unter Nutzung digitaler Hilfsmittel (z. B. dynamische Geometriesoftware, Tabellenkalkulation) bearbeitet werden. Im Rahmen der Aufgabenentwicklung findet ein enger Austausch zwischen den Aufgabenentwicklungsgruppen und dem TBA-Projekt statt, in dessen Rahmen die Testinstrumente des IQB aktuell auf ein computerbasiertes Format umgestellt werden. Um die Lernaufgaben zukünftig flexibel zu erweitern und anzupassen, werden sie anders als bisher nicht mehr gemeinsam mit den Bildungsstandards in gedruckter Form veröffentlicht, sondern auf der Webseite des IQB bereitgestellt.

Die Ergebnisse des Projekts werden nach Entscheidungen in den zuständigen KMK-Gremien die Grundlage für die Implementierung der Bildungsstandards in den Ländern bilden, ferner auch für die Überarbeitung der Kompetenzstufenmodelle des IQB und die darauf basierenden Testaufgaben für die Vergleichsarbeiten (VERA) und IQB-Bildungstrends. Nach derzeitiger Planung sollen die IQB-Bildungstrends ab dem Jahr 2027 (Beginn des 4. Studienzyklus) auf Grundlage weiterentwickelter Bildungsstandards im computerbasierten Format durchgeführt werden. Insofern werden in dem Projekt zentrale Voraussetzungen für die künftige Gestaltung normativer und empirischer Grundlagen unterrichtsbezogener Qualitätsentwicklung geschaffen.

Zeitplan

Da die Arbeiten im Projekt zunächst unter Pandemie-Bedingungen umgesetzt werden müssen, wird vorläufig auf alle Präsenzveranstaltungen verzichtet. Folgende Zeitplanung ist vorgesehen:

  1. Deutsch und Mathematik (Primarbereich und Sekundarstufe I):
    • Weiterentwicklung der Bildungsstandards: September 2020 – Oktober 2021
    • Entwicklung illustrierender Lernaufgaben: bis Dezember 2022
  2. Erste Fremdsprache (Englisch und Französisch):
    • Weiterentwicklung der Bildungsstandards: Mai 2021 – September 2022
    • Entwicklung illustrierender Lernaufgaben: bis Dezember 2023
  3. Naturwissenschaften:
    • Weiterentwicklung der Bildungsstandards: Mai 2022 – September 2023
    • Entwicklung illustrierender Lernaufgaben: bis Dezember 2024