Warum wird VERA durchgeführt?

Nachdem Deutschland seit Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre an internationalen Schulleistungsstudien wie TIMSS 1995 (Trends in International Mathematics and Science Study), PISA 2000 (Programme for International Student Assessment) und IGLU 2001 (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) teilnahm, wurden erhebliche Defizite des deutschen Schulsystems sichtbar. Die TIMSS-Studie wies beispielsweise auf unzureichende Ergebnisse der deutschen Achtklässler*innen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich hin, die Ergebnisse aus PISA 2000 zeigten große Unterschiede zwischen Schüler*innen aus unterschiedlichen sozialen Schichten sowie zwischen Jugendlichen aus Familien mit bzw. ohne Zuwanderungshintergrund. Insgesamt wurde deutlich, dass bisher wenig über die Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems bekannt war. Dieses war bis dahin durch eine starke Inputsteuerung gekennzeichnet, also durch sehr detaillierte inhaltliche Vorgaben und Richtlinien, was genau Schüler*innen zu welchen Zeitpunkten lernen sollen. Es fehlte jedoch die Festlegung und Überprüfung der Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Schüler*innen durch die Beschäftigung mit diesen Inhalten bis zu bestimmten Zeitpunkten in ihrer Schullaufbahn erwerben sollten. Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland startete daraufhin einen weitreichenden Reformprozess und erklärte die datenbasierte Qualitätsentwicklung in Schule und Unterricht zu einem ihrer zentralen Arbeitsschwerpunkte. Dieser Reformprozess bedeutet einen Paradigmenwechsel, der auch als „empirische Wende“ bezeichnet wird. Die bisherige vorherrschende Inputsteuerung wurde durch Elemente empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse (Evidenzbasierung) und Outputsteuerung (Setzen von Standards und deren Überprüfung) ergänzt. Die KMK hat im Jahr 2006 eine länderübergreifende Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring verabschiedet, die 2015 überarbeitet wurde. VERA (1) ist in dieser Strategie neben der Teilnahme Deutschlands an internationalen Studien (2), der Überprüfung und Umsetzung von Bildungsstandards für die Primarstufe, die Sekundarstufe I und die Allgemeine Hochschulreife durch regelmäßige Ländervergleiche (Bildungstrends) und Entwicklung eines Pools von Abiturprüfungsaufgaben (3) sowie der regelmäßigen Bildungsberichterstattung (4) eine von vier Säulen dieser KMK-Gesamtstrategie.

Zwischen den internationalen Schulleistungsuntersuchungen (wie PISA, IGLU/PIRLS und TIMSS) und den IQB-Bildungstrends (ehemals Ländervergleich) zur Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards einerseits und VERA andererseits bestehen wichtige Unterschiede. Diese betreffen vor allem die verfolgten Ziele (Wozu sollen die Ergebnisse dienen?) und die Frage der Evaluationsebene (Wer wird evaluiert?). Einige der Unterschiede sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

  Internationale Schulleistungs-
studien (PISA, PIRLS/IGLU, TIMSS)
Nationale Schulleistungs-
studien (KMK-Ländervergleich bzw. Bildungstrend)
Vergleichs-
arbeiten / Lernstands- erhebungen (VERA-3 und VERA-8)
Design Stichproben-
erhebung
Stichproben-
erhebung
Vollerhebung: alle Schüler*innen einer Jahrgangs-
stufe
Häufigkeit alle 3-5 Jahre alle 5 (Grundschule) bzw. 3 (Sekundar­stufe) Jahre jährlich
Hauptziel System-
monitoring
System-
monitoring 
Unterrichts-/ Schulentwick-
lung
Evaluations-
ebene
Staaten Länder der Bundes-republik Deutschland Schulen, Lerngruppen bzw. Klassen
Durchführung externe Testleiter*
innen
externe Testleiter*
innen 
in der Regel Lehrkräfte
Auswertung zentral zentral Lehrkräfte dezentral sowie Landes-institute, wiss. Institute, Qualitäts-agenturen oder zuständige Fachabteilungen der Ministerien
Ergebnis- rückmeldung  nach ca. 3 Jahren  nach ca. 1 Jahr z. T. kurze Sofortrück-
meldungen direkt im Anschluss an die Dateneingabe; differenzierte Rück-meldungen mit multiplen Vergleichswerten nach wenigen Wochen

Tabelle 1: Unterschiede von stichprobenbasierten Schulleistungsstudien und Vergleichsarbeiten/ Lernstandserhebungen

 

SHu 17.2.21