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Impulspapier „Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem“

SWK gibt Anregungen für den lernförderlichen Einsatz von Chat GPT und Co.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der KMK hat am 17.01.2024 ein Impulspapier zum Thema „Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem“ veröffentlicht. Darin setzt sich die Kommission mit den Chancen und Herausforderungen von Sprachmodellen (Large Language Models, wie z.B. Chat GPT) für den schulischen Einsatz auseinander. Ferner gibt sie Impulse für die Weiterentwicklung der Sprachmodelle und den Umgang mit aktuellen Fragestellungen. Insgesamt kommt die Kommission zu der Einschätzung, dass Large Language Models großes Potenzial für das Lernen haben und Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorbereitung unterstützen können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Lehrkräfte für den Einsatz der Tools qualifiziert sind und die Verantwortung für die Verwendung der KI, etwa bei der Aufgabenerstellung oder der Beurteilung von Leistungen, tragen. Zudem benötigen sowohl Schüler*innen als auch Lehrkräfte Kenntnisse zur Funktionsweise und zur kritische Bewertung von Informationen. An dem Impulspapier haben einschlägige wissenschaftliche Expert*innen für den Einsatz künstlicher Intelligenz in Bildungsprozessen mitgewirkt.

Prof. Dr. Ulrike Cress, SWK-Mitglied und Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien: „Wir halten ein Verbot nicht für zielführend. KI-Anwendungen wie Chat GPT haben Einzug in die Lebenswelt der Schüler:innen und Lehrer:innen gehalten. Gleichzeitig gibt es noch wenig belastbare Forschungsergebnisse. Daher regen wir eine Übergangsphase an, in welcher der Einsatz systematisch erprobt und wissenschaftlich begleitet werden kann. Chat GPT und andere Sprachmodelle sind nicht für den Unterricht entwickelt worden. Eine besonders große Herausforderung besteht derzeit noch darin, Tools für den Einsatz im Bildungskontext und in speziellen Fächern zu entwerfen.“

Christine Streichert-Clivot, Präsidentin der KMK und Ministerin für Bildung des Saarlandes: „KI und besonders Large Language Models gehören spätestens seit Chat GTP zu unserem Alltag. Dies muss sich auch in den Bildungseinrichtungen spiegeln. Mir als KMK-Präsidentin ist es wichtig, dass alle Kinder und Jugendliche bei dieser Entwicklung mitreden können und in gleichem Maße von den Vorteilen von KI profitieren. Technologischer Fortschritt darf nicht zu stärkerer sozialer Ungleichheit führen, sondern die Chancen müssen für alle zugänglich sein. Die dafür nötigen Grundkompetenzen frühzeitig in die Schulen zu bringen ist unsere gemeinsame Aufgabe als KMK.“

Ferner plädiert die SWK dafür, Large Language Models erst gegen Ende der Sekundarstufe I einzusetzen. In der Grundschule steht der Aufbau basaler Lese- und Schreibkompetenzen im Fokus. Der Einsatz digitaler Schreib-Tools kann in den ersten Jahren der weiterführenden Schule beginnen, die Verwendung von KI sollte jedoch eng begleitet werden. Ihr regelmäßiger Einsatz als Schreibunterstützung kann ab der achten Jahrgangsstufe erfolgen, während weiterhin auch Texte ohne LLM erstellt werden.

Die SWK hat sich auch mit den Auswirkungen auf Prüfungen beschäftigt. Prof. Dr. Olaf Köller, Co-Vorsitzender der SWK und Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik: „Schon jetzt werden Prüfungen unterschieden in sogenannte hilfsmittelfreie Formate und solche, in denen Hilfsmittel erlaubt sind. Diese Unterscheidung trägt auch für den Einsatz von KI. Wenn Large Language Models zum Einsatz kommen, sollte nicht nur der letztendliche Text, sondern auch die reflektierte Auseinandersetzung der Schüler:innen mit der Erstellung und dem Ergebnis Gegenstand der Beurteilung sein.“

Obgleich das Potenzial der Sprachmodelle für Lehren und Lernen im Fokus des Impulspapier steht, verweist die SWK auch auf Rahmenbedingungen und noch ungeklärte Fragen. Technologische, ethische und rechtliche Probleme können die Rechtmäßigkeit des schulischen Einsatzes von Large Language Models in Frage stellen. Die Kommission sieht staatliche Organisationen in der Pflicht, allen Lernenden und Lehrenden in Bildungseinrichtungen einen (kostengünstigen) Zugriff auf KI-Systeme zu ermöglichen. Aufgabe der Bildungspolitik muss es zudem sein, große Sprachmodelle in geeignete Lernplattformen zu integrieren oder Commons-Alternativen zu entwickeln, deren Funktionsumfang und Verzerrungen bekannt sind und frei beforscht werden können.