NEPS (BA)

Nationales Bildungspanel (NEPS), Teilstudie zu sprachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund

 


Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tatjana Taraszow

Leitung des NEPS

Prof. Dr. Sandra Buchholz

Kooperationspartner/innen der Säule 4 im NEPS

Prof. Dr. Cornelia Kristen

Prof. Dr. Frank Kalter

NEPS-Netzwerk

Laufzeit

01. Januar 2009 bis 31. Dezember 2017


Das Nationale Bildungspanel (NEPS) wurde als interdisziplinäres Projekt initiiert, um Bildungsprozesse und Kompetenzentwicklung von der frühen Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter im Längsschnitt untersuchen zu können. Ziel des NEPS ist es, zentrale Bildungs­prozesse und deren Folgen über die gesamte Lebensspanne, insbesondere an kritischen Übergängen im Lebensverlauf, zu beschreiben und zu analysieren. Dabei wird die Lebens­spanne in acht Etappen unterteilt, die durch die theoretische Konzentration auf fünf miteinander verbundene inhaltliche Domänen, die sogenannten Säulen, integriert werden (siehe Übersicht). Von 2009 bis 2013 wurde das NEPS vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert; seit dem 1. Januar 2014 wird das Projekt im Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e. V. (LIfBi) weitergeführt.

Gemeinsam mit der Universität Bamberg und der Universität Mannheim ist das NEPS-Teilprojekt an der Humboldt-Universität für die Ausgestaltung der Säule 4 „Migrationshintergrund“ verantwortlich. Diese beschäftigt sich mit dem Bildungserwerb von Personen mit Zuwanderungshintergrund im Laufe ihres Lebens und ist für die Erfassung bildungsrelevanter migrations­spezifischer Merkmale von Personen mit Zuwanderungshintergrund zuständig. Obwohl Deutschland im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte zu einem Einwanderungsland geworden ist, sind Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungs­hintergrund noch immer unzureichend in das deutsche Bildungssystem integriert (z.B. Stanat, 2008, 2010). Neben den bekannten Mechanismen sozialer Ungleichheit sind mit der ethnischen Herkunft bzw. der Zuwanderungsbiografie spezifische Herausforderungen verbunden, die zusätzlichen Einfluss auf Kompetenzerwerb und Bildungsentscheidungen haben können. Zu denken ist hier insbesondere an den Erwerb der Sprache des Aufnahmelandes (z.B. Esser, 2006), Beziehungen zum Herkunftsland, Einbindung in ethnische Gemeinden und Netzwerke sowie kulturelle bzw. religiöse Orientierungen.

Ausgehend von der bislang ungeklärten Frage, welche Rolle die Beherrschung der Herkunftssprache von Zuwanderern und ihren Nachkommen für den Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg im Aufnahmeland spielt (Kristen, Edele, Kalter, Kogan, Schulz, Stanat et al., 2011), werden im Berliner Teilprojekt Tests zur Erfassung erstsprachlicher Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund entwickelt und erprobt (Edele, Schotte, Hecht & Stanat, 2012; Edele, Schotte & Stanat, 2015, 2016). Diese Tests beziehen sich auf die Erstsprachen Russisch und Türkisch, die im Rahmen des NEPS in den Jahrgangsstufen 2, 7 und 9 eingesetzt werden. Ferner entwickelt das Teilprojekt Fragebogeninstrumente für das NEPS, die sich auf sprachliche Kompetenzen von Heranwachsenden mit Zuwanderungshintergrund beziehen (z.B. subjektive Selbst­einschätzung sprachlicher Kompetenz, Teilnahme an institutioneller Sprachförderung, außerschulische Sprach­lern­umwelten). Zudem ist das Berliner Teilprojekt u.a. an der Erfassung von migrationsspezifischen Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern beteiligt.

Mittel- und langfristig werden die im Rahmen des NEPS erhobenen Daten dabei helfen können, wichtige Fragen hinsichtlich der bildungsbezogenen Entwicklung von Personen mit Zuwanderungshintergrund zu erforschen:

  • Wie entstehen Bildungsunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Zuwanderungs­hintergrund sowie zwischen Schülerinnen und Schülern verschiedener Zuwanderungsgruppen? Worauf lassen sich die Disparitäten zurückführen?
  • Wie lassen sich (intergenerationale) Integrationsprozesse beschreiben?
  • Welche Rolle spielen Kompetenzen in der Sprache des Aufnahmelandes und Kompetenzen in der Herkunftssprache für den Bildungsverlauf?
  • Bestehen wechselseitige Einflüsse zwischen Kompetenzen in der Herkunftssprache und in der Umgangssprache Deutsch?
  • Anhand der Ergebnisse von Analysen zu solchen Fragestellungen wird es möglich, die Bedingungen des Bildungserfolgs von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund genauer zu bestimmen und potentielle Schlüsselstellen für Interventionen und gezielte Förderung zu identifizieren.

Ausgewählte Publikationen & Literatur

  • * Edele, A., Schotte, K. & Stanat, P. (2016). Assessment of Immigrant Students’ Listening Comprehension in Their First Languages (L1) Russian and Turkish in Grade 9: Test Construction and Validation. In H.-P. Blossfeld, J. Maurice, M. Bayer & J. Skopek (Hrsg.), Methodological Issues of Longitudinal Surveys: The Example of the National Educational Panel Study (S. 441–464). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • * Edele, A., Schotte, K. & Stanat, P. (2015). Listening Comprehension Tests of Immigrant Students’ First Languages (L1) Russian and Turkish in Grade 9: Extended Report of Test Construction and Validation (NEPS Working Paper No. 57). Bamberg: Leibniz Institute for Educational Trajectories, National Educational Panel Study.
  • * Edele, A., Schotte, K., Hecht, M. & Stanat, P. (2012). Listening comprehension tests of immigrant students' first languages (L1) Russian and Turkish in grade 9: Scaling procedere and results (NEPS Working Paper No. 13) Bamberg: Otto-Friedrich-Universität, Nationales Bildungspanel.
  • Esser, H. (2006). Sprache und Integration. Die sozialen Bedingungen und Folgen des Spracherwerbs von Migranten. Frankfurt: Campus.
  • * Kristen, C., Edele, A., Kalter, F., Kogan, I., Schulz, B., Stanat, P. & Will, G. (2011). The education of migrants and their children across the life course. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 14(2), 121 – 137.
  • Stanat, P. (2008). Heranwachsende mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen. In K. S. Cortina, J. Baumert, A. Leschinsky, K. U. Mayer & L. Trommer (Hrsg.), Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland (S. 683-743). Reinbek: Rowohlt.
  • Stanat, P., Rauch, D. & Segeritz, M. (2010). Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. In E. Klieme, C. Artelt, J. Hartig, N. Jude, O. Köller, M. Prenzel, W. Schneider & P. Stanat (Hrsg.), PISA 2009. Bilanz nach einem Jahrzehnt (S. 200 – 230). Münster: Waxmann.

Anmerkung. Mit * gekennzeichnete Publikationen sind im Rahmen des Projekts entstanden.

 

Weitere Informationen
Kontakt

Tatjana Taraszow
NEPS (BA)
(030) 2093.46553

tatjana.taraszow@
iqb.hu-berlin.de

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